Ist der Papst unfehlbar?

Ist der Papst unfehlbar?

Papst Benedikt XVI.

Eine Antwort aus katholischer Sicht.

Wie kann der Papst unfehlbar sein? Er sündigt doch sicher auch manchmal. Jeder Mensch hat Fehler. Was bedeutet Unfehlbarkeit?" So oder ähnlich fragen viele.
Eines ist klar: Ein Papst ist kein Übermensch, weder allwissend noch sündenlos. Er kann Fehler haben und falsche Entscheidungen treffen. Manches dunkle Kapitel der Kirchengeschichte erinnert sehr deutlich daran.
Allerdings glauben wir - und darum geht es beim Begriff "Unfehlbarkeit" -, dass trotz Irrtum und menschlicher Schwäche die Wahrheit des Evangeliums in der Kirche nie ganz verloren gehen kann. Nicht weil die Hirten der Kirche (mit dem Papst an der Spitze) so tüchtig wären, sondern weil Gott selbst dafür sorgt: Jesus Christus hat seiner Kirche den Beistand des Heiligen Geistes versprochen (vgl. Johannes 14,16-17 u. 16,12-13) und gibt uns damit Gewissheit: Gottes Wahrheit setzt sich immer wieder durch; sie ist unzerstörbar! Sogar in Zeiten großer Verdunkelung bleibt Gottes Wahrheit in ihren Grundzügen erkennbar.
Besonders deutlich tritt sie zu Tage, wenn alle Bischöfe, ja alle Gläubigen in einer Sache, wo es um unser ewiges Heil geht, übereinstimmen. In zweitrangigen Fragen darf es dabei durchaus verschiedene Auffassungen geben. Gefährlich wird es nur dann, wenn es zu Streitfragen kommt, durch die die Substanz unseres Glaubens bedroht ist. Wenn dann die Bischöfe gemeinsam (z.B. auf einem allgemeinem Konzil) oder der Papst in einer Glaubens- und Sittenfrage zu einem endgültigen(!) Urteil kommen und ein "Dogma" verkünden, glauben wir, dass Gott eine so wichtige Entscheidung nicht "fehl-gehen" lässt. In diesen seltenen Fällen sind Aussagen der Bischöfe oder des Papstes "unfehlbar".

Daniel Preißler