Attentat auf Johannes Paul II.

Das Attentat

Es ist der 13. Mai 1981. Auf den Tag genau vor 64 Jahren ist in Fatima drei kleinen Hirtenkindern die Madonna erschienen, um ihnen unter anderem diese Botschaft zu bringen: "Auch der Heilige Vater wird viel zu leiden haben." Da geschieht es: 17.17 Uhr, soeben ist Papst Johannes Paul II. im offenen Wagen auf den Petersplatz gefahren, um die Pilger, die zur Generalaudienz gekommen sind, zu begrüssen. Gerade ist das langsam fahrende Auto auf der rechten Seite des Petersplatzes am Ende der Kolonnaden angelangt, da fallen plötzlich Schüsse.

Ein Geschoss aus einer Browning Parabellum, Kaliber 9, dringt in den Bauchraum des Papstes ein und verletzt das Sakralvenensystem. Nur um Millimeter verfehlt es dabei die Hauptschlagader. Hätte es diese getroffen, wäre der Papst nach wenigen Minuten gestorben. Sofort rast der päpstliche Wagen durch die Straßen Roms in die nahegelegene Gemelli-Klinik. Immer wieder spricht Johannes Paul II. die Worte: "Maria, meine Mutter. .. Jesus Barmherzigkeit!" Dann verliert er das Bewusstsein.

In der Klinik wird ihm die Krankensalbung gespendet und unverzüglich beginnt eine kompliziere fünfstündige Operation. Der : Papst schwebt die ganze Zeit über in Lebensgefahr. Trotz des hohen Blutverlustes können die Ärzte bereits am nächsten Tag verkünden: Der Heilige Vater ist außer Lebensgefahr.

Er empfängt die Heilige Kommunion aus den Händen seines Privatsekretärs Stanilsaw Dziwisz eine erste wahrhaft christliche Handlung: "Ich bete für den Bruder, der mich getroffen hat und vergebe ihm ehrlich!"

Der Attentäter ist 23 Jahre alt, Türke und heißt Ali Agca. Er gehört einer rechtsradikalen Bewegung an und behauptet, Einzeltäter zu sein. Doch bald kommen Verbindungen des jungen Mannes mit dem bulgarischen Geheimdienst ans Licht und bis heute besteht der Verdacht, dass der Sowjetblock mit diesem Attentat den "unliebsamen" Papst aus Polen auszuschalten gedachte. Der nämlich hat sich offen auf die Seite der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc gestellt, die das kommunistische Regime erschüttert.

Auch Stasi­Akten, die im Sommer 1996 enthüllt werden, stützen diese Vermutung. Darin bedanken sich die Bulgaren für eine gute Zusammenarbeit bei der "gemeinsamen Operation Papst".

Doch der Heilige Vater überlebt und erholt sich Schritt für Schritt. Nach drei Monaten kann er in den Vatikan zurück und schon ein Jahr später nimmt er wieder seine pastorale Reisetätigkeit auf.

Für Johannes Paul II. ist das Zusammentreffen des Attentats mit dem Fatima-Tag nicht rein zufällig. Er glaubt, dass eine tiefe Verbindung besteht, zwischen den Geschehnissen und dankt der Muttergottes für die Rettung. Ein Jahr später, zum Fatima­Tag am 13. Mai 1982, unternimmt er eine Dankwallfahrt zur Madonna von Fatima. Dort bekennt er vor Hunderttausenden von Pilgern: "Nach dem Attentat auf dem Petersplatz vor einem Jahr, eilten meine Gedanken, kaum hatte ich das Bewusstsein wiedererlangt, sofort zu diesem Heiligtum, um dem Herzen Mariens, das mich aus der Gefahr errettet hat, meinen Dank zu bringen. Ich werde nicht müde, zu wiederholen, dass ich alles, was geschehen ist, als einen besonderen Schutz der Gottesmutter betrachte."

Als sichtbares Zeichen der Vergebung besucht der Heilige Vater am 27. Dezember 1983 im römischen Gefängnis Rebibbia den Mann, der ihn fast getötet hätte.

Er umarmt ihn und führt ein zwanzig Minuten langes Vier-Augengespräch. Ali Agca behauptet hinterher in einem Interview, er habe Johannes Paul II. die ganze Wahrheit über das Attentat gesagt. Doch der Papst schweigt. Für ihn ist dieser Besuch nicht wichtig, um Hintergründe über die Drahtzieher des Attentats zu erfahren. Ihm geht es darum, dem Menschen, der ihm soviel Schmerzen zugefügt und ihn so schwer verletzt hatte, zu verzeihen. Und der Welt ein Beispiel zu geben für wahre Nächstenliebe.